Wo die Liebe hinfällt – Eine Kurzgeschichte

Wo die Liebe hinfällt – Eine Kurzgeschichte

In den letzten Wochen hat der Literaturunterricht des achten Jahrgangs in Kleingruppen an verschiedenen Kurzgeschichten gearbeitet. Dafür haben sie einen Anfangssatz vorgegeben bekommen und sollten daraufhin eine Geschichte ausarbeiten.
Mit einem Anteil von 40% der Kursstimmen wurde die Kurzgeschichte „Wo die Liebe hinfällt“ ausgewählt, um für alle SchülerInnen veröffentlicht zu werden.
Viel Spaß beim Lesen!

Wo die Liebe hinfällt

„Ich will dich nie wieder sehen, geh mir aus den Augen!“, schrie sie hysterisch und bemerkte dabei gar nicht, dass er schon längst aus dem Zimmer gegangen war. ,,Das arme Mädchen“, dachte ich mir. Sie ließ sich auf ihr Bett fallen und blickte erstmal ohne irgendeine Emotion im Gesicht ins Leere. Ich blickte auf ihre zarten Wangen. Bevor ich mir ihr Gesicht genauer ansehen konnte, kamen ihr die Tränen aus ihren Augen. Da stand sie auf, ging zu ihrem Tisch und sah sich einige Bilder an, auf denen sie und er abgebildet waren. Auf einmal konnte ich auch etwas Zorn in ihren Augen erkennen. Ihre kristallähnlichen Tränen tropften nun auch auf die Bilder, die sie mit so viel Leid und Segen verbindet. Mir lief bei ihrem Anblick ein Schauer über den Rücken. Dieses Elend war mir bei diesem feinen Mädchen doch zu fremd. Am liebsten würde ich ihre Hand nehmen und sie trösten, aber dann würde alles auffliegen.

Es war das erste Mal in meinem langen Leben als Engel, dass ich so gerne mit einem Menschen Kontakt aufnehmen wollte. Mein Herz wollte ihren Schmerz nicht mehr sehen. Ich musste ihr irgendein Signal geben, damit sie wusste, dass sie nicht alleine war. Kein Engel durfte eigentlich Kontakt zu Menschen aufnehmen, dennoch wollte ich es probieren. Da Menschen Engel nicht sehen können, war ich ratlos. In dem Moment jedoch, liefen ihre Tränen erneut ihr Gesicht herunter. „Oh, was für goldige Tränen sie bloß hat“, dachte ich mir. Goldig? Da fiel es mir ein. Zwar konnte ich keinen direkten Kontakt aufbauen, dennoch konnte ich ihr helfen, indem ich ihre Tränen zu Gold verwandelte. Das war gar nicht so leicht wie ich dachte, denn ich musste erst mal genug Kraft und Magie aufwenden, um überhaupt etwas an den Tränen zu ändern. Wie sollte ich bloß Gold aus ihnen zaubern? Meine Sorgen verblassten jedoch wieder, als ich zu ihr blickte, da ich wieder den Drang hatte, mein Bestes für sie zu geben. Also strengte ich mich noch mal so richtig an. Und … es klappte! Ihre kristallklaren Tränen verwandelten sich zu kleinen Goldkügelchen. Ich schaute so schnell ich konnte auf ihr Gesicht, um ihre Reaktion zu betrachten. Sie blickte sich im Raum um und direkt in meine Richtung. Ich bekam ein bisschen Angst. Hatte sie mich etwa entdeckt? Sie drehte sich schnell wieder um. Meine Hoffnungen und Sorgen verschwanden mit dieser Umdrehung.

Plötzlich fing sie aber an zu sprechen. Sie … sie sprach mit mir! Das war ganz sicher kein Irrtum. Ich schaute um mich herum. „Wer bist du?“, stotterte sie. Konnte sie mich etwa jetzt wirklich sehen? Aus irgendeinem Grund fing mein Herz an zu rasen. Dann, ganz leise antwortete ich ihr: ,,Ich bin dein Schutzengel.“ Ich hätte nie damit gerechnet, dass sie mir jemals so tief in die Augen starren würde. Sie schien ängstlich.“Ehhh, ein Engel!“, sagte ich wissend, dass sie es wahrscheinlich nicht glauben würde und anfangen könnte zu schreien. Aber es kam anders. Sie fragte ganz ruhig:,,Hast du den Streit eben mitbekommen?“, „Ja „, antwortete ich mit zitternder Stimme. „Findest du mich bemitleidenswert?“, fragte sie in einem emotionslosen Ton. “Nein, ich wollte einfach nur, dass du aufhörst, wegen so einem blöden Typen zu weinen und wieder die schönen Dinge im Leben siehst.“ Ihr Blick dennoch, wurde immer misstrauischer und mirgingen die Ideen aus, wie ich ihr erklären sollte, dass ich ihr Schutzengel war. „Schöne Dinge? Wirst du dann auch bei mir sein?“. Als sie das fragte, fing mein Herz an, dreifach so schnell zu schlagen. ,,Ich bin immer da, wenn du Hilfe, Schutz oder ähnliches brauchst. Ich kann aber auch kommen, wenn du mich rufst.“, erklärte ich ihr. Sie hielt kurz inne. „Wie heißt du denn überhaupt?“, fragte sie ein wenig geschmeichelt. „Wie ich heiße?“, fragte ich ein bisschen verwirrt, „Ich habe keinen Namen. Ich werdeeinfach nur Engel oder Schutzengel genannt. Es reicht also, wenn du ,,Engel“ sagst.“ „Wie kann es denn sein, dass du keinen Namen hast?“, fragte sie verwirrt. „Engel bekommen keine Namen.“, äußerte ich mich, mit der Denkweise, dass es selbstverständlich war. “Ich werde dir einen Namen geben. Was hältst du von… ähm…. Noah?“ “ Oh, der Name gefällt mir sehr“, erläuterte ich aufgeregt. “ Vielen Dank“. Es fiel mir schwer in ihre Augen zu schauen, doch ich hörte ein Kichern. Es war wie eine Melodie, die sowohl mich, als auch mein Herz bewegte. Warum sollte ihr jemals eine Person dieses atemberaubende Lächeln nehmen. Es wurde mir von klein auf eingeredet, dass Engel sich nicht verlieben können. Wer dachte, dass es nur ein Mädchen mit einem wunderschönen weinenden Gesicht und einem umso schöneren Lächeln brauchte, um mich anders denken zu lassen.

Vielen Dank an die Autoren
Nuran Taufik, Mahgol und Nilufar Rahili und Joanna Holzner
für diese super spannende Kurzgeschichte.

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